Tischgemeinschaft Reserve Tischgemeinschaft Reserve

Tischgemeinschaft Reserve

2017

Sankt Petersburg – Weiße Nächte an der Newa

TG Reserve im „Venedig des Nordens“

 

Gegründet 1703 von Peter dem Großen inmitten der Sümpfe des Newadeltas, ehemalige Zarenresidenz, Kleinod der Baukunst und Stadt prunkvoller Paläste, Ausgangspunkt der Oktoberrevolution und heute eine moderne Metropole am Meer – das war das diesjährige Reiseziel der TG Reserve und ihrer Damen.

Die Anregung zu dieser Reise hatte Tamara Helck, Ehefrau von Reservistenvorstand Joachim Helck, gegeben. Dies begeisterte Irina Schmidt, die in Sankt Petersburg geboren ist, Frau des Reserve - Finanzvorstands Boris Schmidt. Damit hatte sich das Organisationskomitee gefunden.

Die fünf Tage des Aufenthaltes waren von Höhepunkten gespickt. Zunächst einmal hinterlassen die Stadt selbst, ihre Bauten und die Lage an der Newa einen unvergesslichen Eindruck. Es ist deutlich erkennbar, daß in den vergangenen zwei Jahrzehnten viel getan worden ist, um die Bausubstanz zu erhalten, zu verschönern und das einmalige Stadtbild zu bewahren. Viele waren überrascht, wie eindrucksvoll sich Sankt Petersburg als nördlichste Millionenstadt der Welt präsentierte und genossen die Atmosphäre bereits am ersten Tag, der  beschlossen wurde in der offenen Dachbar eines Hotels mit Rundblick über die erleuchtete Stadt – die in Licht getauchte Isaakskathedrale zum Greifen nahe, und gutes russisches Bier gab es auch.

Die Vielzahl der Sehenswürdigkeiten, der Paläste und Museen, der Kirchen und Plätze macht es schwer, eine Auswahl zu treffen, doch kann man sich eine Sankt Petersburg – Reise ohne den Besuch der Eremitage, eines der bedeutendsten Museen der Welt, vorstellen? Natürlich nicht, und so bekam die Gruppe die doppelte Pracht der Gebäude selbst und der dort gezeigten Kunstwerke gleich zu Beginn zu sehen. Und nicht nur das: als augenzwinkerndes Schmankerl war ein Besuch im Keller bei den Katzen der Eremitage organisiert, die dort fest „angestellt“ sind und den Palast von Ratten und Mäusen freihalten. Der Nachmittag gehörte dann der Haseninsel, der Keimzelle Sankt Petersburgs, auf der Peter der Große die „Peter-Paul-Festung“ zum Schutze der Stadt errichten ließ und in deren gleichnamiger Kathedrale fast alle russischen Zaren beigesetzt sind, was die Führerin den Jonges kenntnisreich nahebrachte.

Doch gibt es Sehenswürdigkeiten auch rund um die Stadt, so die Zarenpaläste in der Umgebung, von denen
Peterhof und der Katharinenpalast in Zarskoje Zelo („Zarendorf“) die bekanntesten sind.  Die Palastanlage von Peterhof mit der 300 Meter langen Fassade, den eleganten Parkanlagen und beeindruckenden Wasserspielen zählt zu den schönsten barocken Ensembles der Welt. Sie liegt direkt am Ufer der Ostsee und wurde ebenfalls von Zar Peter gegründet. Standesgemäß reisten wir, der Seestadt Sankt Petersburg angemessen, per Tragflächenboot über das Meer an.

Der Palast In Zarskoje Selo ist bekannt durch das auch mit deutscher Hilfe wieder neu erstellte Bernsteinzimmer, was die Reservisten natürlich besonders neugierig machte – aber: „Fotografieren verboten!“ Das Schloß wurde von Katharina, der zweiten Frau Peters, gegründet und von Katharina der Großen prächtig ausgebaut. Nach den Zerstörungen während des 2. Weltkrieges wurde es vollständig wiederhergestellt und zieht heute Besucher aus aller Welt an. Unter anderem diente es dem letzten Zaren Nikolaus II. und seiner Familie als Residenz.

Weniger touristisch und dadurch umso beeindruckender für alle Teilnehmer war ein außergewöhnlicher Ausflug zum Gut „Apraksin“ von Hobbybauer Boris Boyko. Er kommt gelegentlich auch nach Düsseldorf und ist ein guter Bekannter von Tamara Helck. Als er von der Reise der Reservisten nach Sankt Petersburg erfuhr, lud er die ganze Gruppe spontan auf seinen Hof ein, der ca. 70 km südöstlich von Sankt Petersburg liegt, in dem Gebiet, in dem sich während der 900 Tage langen Belagerung von Leningrad heftige Kämpfe abspielten, von denen viele Funde, die Boyko während der Kultivierung auf seinen Wiesen fand, erzählen.

Zunächst ging es nach Sologubowka, wo der weltweit größte deutsche Soldatenfriedhof liegt, auf den mittlerweile 54000 Tote umgebettet wurden. Auf Stelen sind ihre Namen und Lebensdaten eingemeißelt. Juri Kuprin, Leiter der Deutschen Kriegsgräberfürsorge vor Ort, erzählte den Zuhörern aus Düsseldorf von seiner Arbeit und den ca. 3000 Gefallenen, die er und seine Mitarbeiter dort Jahr für Jahr bestatten, und ihre Arbeit ist noch lange nicht beendet. Tischbaas Kurt Büscher und Oberst a. D. Ralf Kneflowski legten am weithin sichtbaren Hochkreuz Blumen zum Gedenken nieder.

Danach ging’s dann weiter nach Apraksin, auf Schlaglochwegen durch die Sümpfe, an typisch russischen Holzhäuschen vorbei. Der Busfahrer hatte Schweißperlen auf der Stirn. Doch dann: ein weißes Tor, eine asphaltierte Straße, die direkt auf den Hof führte. Die größte Überraschung war, als die Reservisten dort ein Festzelt mit aufgebautem Buffet und Musik mitten im Grünen entdeckten. Gastgeber Boyko hatte keinen Aufwand für seine Gäste, die er und Tochter Christina begrüßten, gescheut.

Nach Essen und Wodka kam es dann zum deutsch-russischen Sängerwettstreit mit tatkräftiger musikalischer Unterstützung des Tischkameraden Wolfgang Scheelen. Die Reservisten gaben deutsches Liedgut wie „Hoch auf dem gelben Wagen“ und „Über den Wolken“ von Reinhard Mey zum besten, Boyko und Christina, unterstützt von Irina und ihrem Sohn Max, Tamara und Mitarbeitern, antworteten mit „Katjuscha“ und anderen Gassenhauern. Das schöne Wetter und die gute Stimmung ließen die Reservisten und ihre Damen das Programm vergessen, und sie blieben weit länger als vorgesehen. Man vereinbarte beim Abschied, die deutsch-russische Freundschaft in Düsseldorf, bei Tischfreund Hanno Paas auf seinem Hof in Ratingen oder im Pöötzke bei Wolfgang Scheelens Musik fortzusetzen.

 

Text: Joachim Helck

Fotos: Martin Beier

 

Weitere Fotos zur schönen St. Petersburger Reise:

Biobauer Boyko, der Gitarrist, Irina, Christina, Max und Tamara (v. li) stimmen russische Klassiker an
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Jonges-Reservisten besingen die deutsch-russische Freundschaft auf Gut Apraksin
Jonges-Reservisten besingen die deutsch-russische Freundschaft auf Gut Apraksin
Reservisten-Tischbaas Kurt Büscher (li) und Bundeswehroberst a.D. Ralf Kneflowski legen Blumen nieder am Soldatendenkmal in Sologubowka
Reservisten-Tischbaas Kurt Büscher (li) und Bundeswehroberst a.D. Ralf Kneflowski legen Blumen nieder am Soldatendenkmal in Sologubowka