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2016

Reservisten fahren Smartphones

Besuch bei "Tesla"

Schon die Adresse ist ein Symbol: Bonner Straße 343 – 345. Wo einst die Papierfabrik Reisholz stand, beginnt das neue automobile Zeitalter für Düsseldorf und NRW. Einige Jonges der TG Reserve waren kürzlich dort zur Probefahrt: bei Tesla Motors. „E-Autos statt Klopapier“, flachste Einer. Die Adresse ist so neu, die noch in keinem Navigationssystem drin; außer in den S-Modellen, mit denen die Jonges losfuhren.

 

„Das sind praktisch fahrende Smartphones“, erklärt Tesla-Düsseldorf-Chef Stefan Krey. Wenn er z.B. zwischen der Landeshauptstadt und Mönchengladbach pendelt, dann lässt Krey die Hände größtenteils vom Lenker weg. Diese S-Modelle fahren weitgehend autonom. Krey setzt allenfalls mal den Blinker. Ohne aufzuheulen bringt der 4-Sitzer-Sportwagen seine 710 PS auf die Straße. Das smarte System gibt jede Strecke und jede Veränderung automatisch an das Tesla-Navi weiter. Die SIM-Karte stammt von einem europäischen Anbieter. Die Kosten der Karte trägt Tesla.

 

Die Fahrwerke sind made in Germany: von Bilstein und von Continental. Die Lenkung kommt vom Bodensee. Die Reifen von Michelin. Die Autos kommen zollsparend in drei Einzelteilen aus Kalifornien zum Zusammenbau nach Holland. Das Chassis ist nicht aus (BMW)-Carbon sondern aus Aluminium vom US-Riesen Alcoa. Da steht der frühere Siemens-Chef Klaus Kleinfeld an der Spitze. Die Batterien kommen nicht aus dem südwestfälischen Hagen, wo einst die Wiege der Batterie-Industrie stand. 1923 war Günther Quandt dort eingestiegen. Seine Epigonen verloren die Batterie-Vision 50 Jahre später aus den Augen. Sie konzentrierten sich auf die Freunde am BMW-Fahren. Nach einer Odyssee durch die Welt der Beteiligungsfirmen versucht VW zusammen mit Varta nun den Rückstand in der Lithium-Ionen-Technologie aufzuholen. Derweil lässt Tesla die Produktion in der Wüste Nevada anlaufen. Auf dem Dach der dortigen Gigafabrik produziert eine riesige Solaranlage.

 

„Die Batterien sind unser Engpass“, erklärt Tesla-Mann Krey den Jonges: „Wir hätten 2015 die gesamte Weltproduktion verbauen können. Für andere Verwendungen hätte es dann aber keine Batterien mehr gegeben, z.B. für Herzschrittmacher.“ 7.300 Stück Litium-Ionen-Batterien liegen auf der Bodenplatte des S-Modells; wohltemperiert mit eigener Klima-Anlage. Da gelingt im Winter der Kaltstart. Und im Sommer brennt nichts an – anders als beim A380 von Airbus. Die einzelnen Akku-Batterien, 2015 noch von Panasonic aus Korea, sind so klein, die würden in jede Taschenlampe passen.

 

Die zwei Tesla-Motoren auf der Hinterachse oder gar der Allradantrieb brauchen Wechselstrom. Nikola Tesla hat vor bald 130 Jahren praktisch den Wechselstrom erfunden. „Die Wechselrichter machen wir selber“, erklärt Salesmanager Krey. Er kennt schon an die nächste Stufe der Epoche: Die Kunden werden Solarstrom in neuartigen Tesla-Batterien speichern und nachts die Autos damit laden. Wechselrichter sind dabei entscheidend – und Ladestationen wie jetzt am Kamener Kreuz. Da übernimmt Tesla sogar die „Tankrechnung“.

 

Martin Beier


Jonges-Reservisten vor der Tesla-Plattform, in der Mitte Tischbaas Kurt Büscher