Tischgemeinschaft Reserve Tischgemeinschaft Reserve

Tischgemeinschaft Reserve

2015

Tischgemeinschaft Reserve auf der Anklagebank im Landgericht Düsseldorf

September 2015

Tischgemeinschaft Reserve auf der Anklagebank im Landgericht Düsseldorf
Am Mittwoch, dem 16. September 2015, hatte der Präsident des Landgerichts Düsseldorf Dr. Bernd Scheiff, Mitglied der Tischgemeinschaft Reserve, seine Tischkameraden mit Frauen ins Landgericht Düsseldorf eingeladen. Insgesamt folgten der Einladung 45 Teilnehmer und sorgten auch am Abend noch für Betrieb im Landgericht.Das Angebot, auch die Nacht in einer der Präsenzgefängniszellen zu verbringen, wurde einstimmig abgelehnt, zumal sich die Übernachtung ohne Frühstück verstand.

 

Die Präsenzgefängniszellen selber sind nur tagsüber belegt, wenn Angeklagte auf eine Gerichtsverhandlung warten müssen oder dem Haftrichter vorgeführt werden. Dass für den Bereich der Zellen die gleichen Regelungen wie in einer Justizvollzugsanstalt gelten, konnte der Tischbaas Kurt Büscher mit seinen eigenen Händen und Füßen nachempfinden. Mit überwältigender Mehrheit unter den anwesenden Tischkameraden wurde er auserkoren, die Sicherheitsmaßnahmen am eigenen Körper zu testen. Der Justizwachtmeister Herr Förster demonstrierte eindrucksvoll wie mit Handschellen umzugehen ist. Glück für Kurt Büscher, seine Tischkameraden kamen alle zum selben Urteil, „nicht schuldig“ und so konnte er die restliche Führung und Abend als „freier Tischbaas“ verbringen.

 

Für viele war es der erste Besuch überhaupt im Landgericht Düsseldorf, welches nach dreijähriger Bauzeit und seit seiner Fertigstellung an der Werdener Straße im Jahre 2010, zu den modernsten Gerichtsgebäuden seiner Art in NRW zählt. Das Gebäude ist einem Paragraphen nachkonstruiert und beinhaltet sowohl das Amts- wie auch das Landgericht. Beide Gerichte sind miteinander verbunden, unter anderem über die „Beamtenlaufbahn“ (Verbindungsgang im fünften Stock). Dr. Bernd Scheiff machte deutlich, dass Beamtenlaufbahn eigentlich nicht ganz zutreffend ist, da die Richter nicht weisungsgebunden sind und immer unabhängig nach Recht und Gesetz zu urteilen haben. Auf dem Rundgang wurde sichtbar, dass das Gerichtsgebäude behindertengerecht (barrierefrei) und insbesondere auch für blinde Menschen gestaltet wurde.

 

Gegen Ende stand die „Hauptverhandlung“ für die TG Reserve auf dem Programm, im großen Schwurgerichtsaal. In diesem Gerichtssaal werden große Wirtschaftsstrafverfahren und andere schwere Strafsachen, wie z. B. Fälle mit Körperverletzung oder Bandendelikte verhandelt. Anklagebank, Zeugenstand, Richterbank und Zuschauerraum waren schnell durch die Tischkameraden gefüllt. Die Verhandlung konnte eröffnet werden. Die Richterin am Landgericht Justina Zlobinski zeigte die verschiedenen Funktionen, welche der Saal aufweist und erörterte, dass es sogar Dank der modernen Technik möglich ist, weltweit Zeugen zu vernehmen. In Abhängigkeit der Einschätzung bei bestimmten Verfahren kann sogar eine schusshemmende Trennwand als zusätzliche Sicherheitsvorkehrung in den Schwurgerichtssaal eingelassen werden.

 

Nach dem Ende der Hauptverhandlung und dem Freispruch sämtlicher Tischkameraden hatte Dr. Bernd Scheiff zu einem Umtrunk mit Buffet geladen. In letzter Minute war es ihm noch gelungen, ein Fass Altbier zu besorgen, zu großer Begeisterung vieler Teilnehmer. Kurt Büscher dankte ihm sowie seinen Richterkollegen Dr. Elisabeth Stöve und Dr. Jonas Küssner für den tollen und informativen Abend im Landgericht Düsseldorf.

 

Alle Tischkameraden waren sich einig, dass es sich ausgezahlt hat, zum Landgericht zu kommen, waren sich aber auch einig, nach Möglichkeit nur als Besucher ins Landgericht zurück zu kehren. Bei dem einen oder anderen wurde das Interesse geweckt, ggf. an einer der zahlreichen öffentlichen Gerichtsverhandlungen einmal teilzunehmen um so einen weiteren Eindruck von der Arbeit der Justiz zu bekommen. 

 

Text: Sebastin Schneider
Bild: Dr. Bernd Scheiff