Tischgemeinschaft Reserve Tischgemeinschaft Reserve

Tischgemeinschaft Reserve

2015

Räder, Regen und die Reservisten

Mai 2015

Marburg war dieses Jahr Ausgangspunkt der Fahrradtour der TG Reserve. Und manch einer der Reserve-Radler war überrascht über das mittelalterliche Kleinod in Oberhessen. Kriegsherren hatten es aus den Flugplänen ihrer Bomber rausgenommen. Diese Herren kannten die Perle an der Lahn aus ihren Studientagen!

 

Reservist Michael Baukrowitz kam vor 32 Jahren zum Studium der Rechte nach Marburg. Seither kommt er immer wieder; als Förderer der Studentenverbindung Hasso-Guestfalia (Hessen-Westfalen). Dieses Mal kam er – zusammen mit Heimatfreund Jörg Eckrodt – als Reiseführer der Jonges-Reservisten. Einer der Jonges machte dann aus Marburg gleich „Malburg“ – wegen der malerischen Kulisse. Ein anderer lieferte unfreiwillig die Farbe des Herzens für die Malerei: Sein Finger musste in der Uniklinik stundenlang wieder zusammengenäht werden.


Obendrein fing es an zu regnen, als die anderen Reservisten ausgerechnet an der Wassersport-Anlage im Lahntal ihren ersten Boxenstopp einlegten. Und es hörte nicht auf, bis die Etappe zu Ende ging – mit einer Bergankunft in der berühmten „Sonne“, in Hessens ältestem Hotel.


Am Freitag-Abend auf dem „Paukboden“ von Baukrowitz‘ Verbindung war der Finger-Reservist schon wieder munter dabei. Rechts am Rand zeigt das Foto, womit die Hasso-Aktivisten sich schützen, wenn sie versuchen, mit Schwert-ähnlichen Schlägern auf ihre Köpfe zu schlagen. Es fließt kein Blut! Sieger werden nicht ermittelt. Es geht nur um die Kunst, mit komplizierten Verrenkungen in genau definiertem Abstand die Klingen über den Köpfen zu kreuzen. Die Jonges seien ja auch eine Art Verbindung, steht jetzt im Gästebuch der 1867 gegründeten Verbindung.


Am Morgen nach der Verbindung schauerte es gleich zu Beginn der Etappe „Rund um die Amöneburg“. Die Burg stand schon hunderte Jahre oben auf dem schlafenden Vulkan, als es Hessen noch gar nicht gab. Im heutigen Hessen steht Amöneburg ziemlich weit oben in der Liste jener Orte, auf die es am wenigsten regnet. Das lokale Vulkan-Kloster ist dem Erzengel und Namenspatron Michael geweiht.


Ihre Schlacht an der schon 1762 umkämpften „Brücker Mühle“– unterhalb der Amöneburg – mussten die Reservisten unter Führung ihres Michael in der Mühle schlagen. Draußen schauerte es. Wenn es am Amöne-Vulkan mal regnet, dann meistens im Mai; wenn die Jonges mit dem Rad unterwegs sind. Nach dieser Schlacht am lodernden Kaminfeuer blieb die Schutzkleidung nicht lange in den Taschen: Mai-Regen bringt Segen!

 

Später tauchte am Horizont die Wiege Hessens auf: die Marburg – hoch auf den Lahnbergen. Unten im Tal liegt die heilige Elisabeth begraben und der unheilige Reichspräsident von Hindenburg. Auf Bildern in der Elisabeth-Kirche haben Gotteskrieger vor etwa 500 Jahren Schäden angerichtet.

 

Tief beeindruckt brachte Tischbaas Kurt Büscher seine Reservisten wieder heil in den Henkel-Saal. Der Finger-Freund wollte ohnehin noch nicht zurück. Er ging am Montag zur Nachsorge in die Uniklinik an der Lahn. Ein anderer reiste zurück in seine neue Heimat nach Holstein. Sein Vater hatte einst die Lahn ausgebaggert: Kies für Hassia. Ein wieder anderer sah sich in seine Jugend zurückversetzt: Marburgs Stadtführerin kommt aus seinem Heimatort Gescher/Guestfalia. Sie hätte fast seine erste Freundin sein können.

 

Text: Martin Beier

Reservisten starten zur Radtour in Marburg, links vorne Reiseleiter Michael Baukrowitz
Reservisten starten zur Radtour in Marburg, links vorne Reiseleiter Michael Baukrowitz
Verbindungstreffen im Paukkeller von
Verbindungstreffen im Paukkeller von "Hasso-Guestfalia", zweiter von rechts: Tischbaas Kurt Büscher