Tischgemeinschaft Reserve Tischgemeinschaft Reserve

Tischgemeinschaft Reserve

2014

Das Netzwerk mit dem „R“

das tor 4/2014

Krawatte, Spardose, Tischbuch – alle zeigen das Symbol der Tischgemeinschaft Reserve, die vom Schützenbrauchtum stammt.

 

Das Tischbuch ist stets dabei. Ob bei den Jonges-Abenden immer dienstags, auf Reisen nach Frankfurt, Wien oder Dresden.

 

Die Unterschriften der Teilnehmer füllen meist eine ganze Seite. Das elegant geschwungene „R“ auf dem in Leder gefassten Buch findet sich auch auf dem Tischsymbol. Der Buchstabe krönt als Skulptur in Messing auch diese Spardose der Tischgemeinschaft.

 

Wer beim Tischnamen „Reserve“ zuerst an die Bundeswehr denkt, liegt nur halb falsch. Viele hohe Offiziere, darunter auch Brigadegeneral Gorgels (siehe Seite 18) gehö- ren zu dieser Jonges-Einheit. Aber die Idee stammt aus dem Schützen-Brauchtum. Von der dortigen Gesellschaft Reserve wurde das „R“ übernommen.

 

Am 26, Juli 1966, einst im Schlösser-Saal, empfingen die Jonges den damaligen Schützenkönig Fritz Mense. Der brachte viele Kameraden mit. Albert Kanehl, damals Präsident der Schützengesellschaft Reserve, und Hauptmann Carl Becker hatten die Idee, dass die Gruppe sich auch als Tischgemeinschaft der Jonges etablieren könnte. So kam es dann. Und Becker wurde erster Tischbaas.

 

Heute zählt die Tischgemeinschaft 107 Mitglieder – 26 bis 85 Jahre – und ist eine der größten im Heimatverein. Etwa 30 Prozent wohnen aus beruflichen Gründen in der Ferne, was nicht schlimm ist, weil die Reservisten damit auch immer Ziele für ihre Ausflüge zu den dortigen Freunden haben. Dienstags bei den Jonges sind so viele dabei, dass sie sich oft Stühle von den benachbarten Tischgemeinschaften leihen müssen. Hinterher wird bei einem Bier, gern im Quartier Bohème oder im Füchschen, das bei einem Vortrag Gehörte kommentiert.

 

Fast jeden Monat trifft sich die TG – meist sind die Frauen dabei – zu einer eigenen Veranstaltung. Erstklassige Musikbegleitung an Piano oder Harfe, so bei der Nikolausfeier im Industrieclub, wird von Sponsoren finanziert, der Inhalt der Spardose geht an soziale Zwecke.

 

Bei offiziellen Anlässen tragen die Reservisten eine Tischkrawatte mit dem „R“ im Design. Die normale ist rot, eine besondere blau – und als höchste Auszeichnung für besondere Verdienste wird eine grüne überreicht.

 

Täglich zwei bis drei Stunden sitzt der heutige Tischbaas Kurt Büscher, pensionierter Ministerialbeamter, am Schreibtisch daheim, um das rege Tischleben zu organisieren. Seine Tischfreunde loben seine demokratische Art als Moderator – aber auch, dass er manchmal klar die Marschrichtung bestimmt.

 

Große Tischgemeinschaften haben es leichter, neue Freunde zu finden. „Junge Leute bringen junge Leute mit“, ist ein Rezept. Dass bei vielen Tischtreffen auch die Damen sich kennenlernen, verstärkt die Verbindung. Das Netzwerk ist attraktiv. Als einer neulich eine Firma gründete, wusste er sofort, wo er Werbeagentur oder Steuerberater findet, nötigenfalls auch einen Rechtsanwalt. Die Pflege der guten Beziehungen zu den Schützen stärkt das Netzwerk weiterhin. Aber auch den Karnevalisten sind die Reservisten eng verbunden. Es gibt eine starke Gruppe der Weißfräcke in der Tischgemeinschaft. Mehrere Reservisten, darunter der Tischbaas, sind Ehrenritter des Unterbacher Karnevalsvereins.