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2013

Wienreise

Detlef Hempel: unser Mann in Wien

Donnerstags ist Hauptkampftag in der Wiener Hofburg: Es tagt der Ständige Rat der OSZE, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. So war es auch an diesem Donnerstag, als die Abordnung der TG Reserve in Wien weilte. Einer der ihren, Detlef Hempel, ist Militärberater der OSZE. Und weil er dienstags schlecht in den Henkel-Saal kommen kann, sind die Reservisten mit Damen nach Wien geflogen. In Schwechat werden sie schon mit quasi militärischen Ehren empfangen von der Hempel-Familie: Alles ist perfekt vorbereitet unter dem Zauberwort: „Deutsche Botschaft“.

Lindner-Lokalchef Christian Kölling heißt die Reservisten im Hotel „Am Belvedere“ willkommen. Der Wien-Neuling würde die viertägige Jonges-Tour wohl am liebsten selbst mitmachen: „Ich kenn mich noch nicht so gut aus.“ Was das für rote Krawatten seien, spricht die Dame an der Haltestelle „Unteres Belvedere“ die Jonges an. Tischbaas und Tourchef Kurt Büscher erklärt ihr die Welt der Heimat-Freunde. Dann kommt die „71“ Richtung „Börsengasse“. Am Kneipenfenster hängt außen eine Warnung: „Nicht laut sprechen oder lachen!“ Die Warnung gilt nicht nur für Raucher. „Vorsicht: Am Rennweg fängt der Balkan an“, wissen Experten. Ringsum stehen die Botschaftsgebäude aller Herren Länder.

Als Deutschlands Botschafter bei der OSZE Rüdiger Lüdeking pünktlich um 15 Uhr den kleinen Saal in der Hofburg betritt, ist er erkennbar gut gestimmt. Die Sitzung des Ständigen Rats hat er schon hinter sich; auch das Mittagessen mit den dauerstreitenden Kollegen aus Armenien und Aserbaidschan; wegen Bergkarabach. „Sie müssen hier eine hohe Frustrations-Toleranz mitbringen“, wird der Botschafter später einräumen, ohne auch nur einen Hauch von Contenance zu verlieren. In zwei Jahren jährt sich die KSZE-Schlussakte von Helsinki zum 30. Mal. Ob dann Schluss sei mit dem Frust, fragte einer der Jonges. Ein großes Gipfeltreffen wird es geben. Das ist sicher. 1975 hatte die KSZE, die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit, nach Jahre langen Konferenzen erste Grundsätze zu Papier gebracht. 1970 war Willi Brandt auf die Knie gefallen.


In der Euphorie nach dem Fall des Eisernen Vorhangs stand „KSZE“ für eine Wertegemeinschaft: für Abrüstung, Menschenrechte und Umweltschutz. KSZE ist heute OSZE. Die heiligen Grundsätze werden jedoch nicht überall eingehalten: „Ich bin nicht in der Lage, über Fortschritte berichten zu können“, bekennt der Botschafter. Lieber denkt er an seine Studienzeit an der Heinrich-Heine-Uni zurück. Wie er damals bei Henkel jobbte. Und wie er sich in eine Düsseldorferin verliebte; die Mutter seiner vier Töchter. Es hätte nicht viel gefehlt und der Botschafter hätte Tischbaas Büscher noch den Aufnahmeantrag für die Jonges unterschrieben.

Den unterschriebenen Aufnahmeantrag kann Detlef Hempel nächstes Jahr vielleicht mitbringen. Dann endet seine Entsendung nach Wien. Ein Jahr Verlängerung hat er schon bekommen. Der Oberstleutnant wurde 2010 vom damaligen Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg zum Auswärtigen Amt abgeordnet. Außenminister Guido Westerwelle hat ihn dann schnurstracks nach Wien entsandt zur OSZE. Der 56jährige ist dort zuständig für Rüstungskontrolle. Er koordiniert Projekte zur Vernichtung hochgiftiger Munitionen z.B. in Serbien und in Georgien. „Ich kann über Fortschritte berichten“, beruhigt Hempel. Er freut sich jetzt schon auf seinen letzten Winter in Wien: Im Winter werden die Konferenzsäle freitags regelmäßig leer geräumt für die Ballsaison. Dann ist es wie einst, als Kaiserin Sissi noch durch die Hofburg schwebte. Im Sommer 2014 enden Akkreditierung und Diplomatenstatus für Detlef Hempel. Dann wird man ihn dienstags nicht mehr in der Hofburg treffen,sondern im Henkel-Saal. Kurt Büschers Reservisten freuen sich: Sie haben ihren Jong zurück am Tisch und immer noch einen Jonges-Freund in Wien: Botschafter Lüdeking. 

 

 

Drei Diplomaten: Botschafter Rüdiger Lüdeking mit den Jonges-Freunden Hempel und Büscher
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TG-Reserve weilt auf den Spuren von Kaiserin Sissi – bei der OSZE in Wien
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