Tischgemeinschaft Reserve Tischgemeinschaft Reserve

Tischgemeinschaft Reserve

2012

Hamburgreise

Reservisten reisten nach Hamburg

Siebzehn rote Krawatten unter blauen Jacken: Das sorgt für Aufsehen: „Wir sind die Jonges aus Düsseldorf, von Europas größtem Heimatverein“, bekommen die Jeansträger erklärt – beim „König der Löwen“ in Hamburg: „nur ‘ne kleine Abordnung natürlich – und zwar von der TG Reserve.“ Das hatten die Reservisten und ihre Damen bis dahin schon mehrfach erklärt während des verlängerten, finalen April-Wochenendes.

Jonges-Freund Otto Lindner hatte seine Leute im „Hotel am Michel“ speziell instruiert und handschriftlich „einen schönen Aufenthalt gewünscht“. Der Wunsch sollte in Erfüllung gehen. Frau Oldmanns in der evangelische Sankt Michaelis-Kirche (landläufig „Michel“) zeigte sich angenehm überrascht – im Hinblick auf den 80. Geburtstag der Jonges. Davon hatte sie gelesen. Erst zum Abschluss führte sie die Herrschaften aus dem katholischen Rheinland runter in die Krypta.

Der Michel ist für Hamburg, was der Dom für die südliche Nachbarstadt von Leverkusen ist. Unter dem dortigen Bayer-Kreuz wuchs das Orgel-Talent Christoph Schöner auf. In seiner Zeit als Lehrmeister an der Robert-Schumann-Musikhochschule versäumte man es, ihn zum Jong zu machen. Als Musikdirektor im Michel zog er nun alle Register für die Jonges: Orgel-Surround-Klang in der Jahrhunderte alten Kirche – sogar aus der Decke! „Nichts ist schöner als Musik von Christoph Schöner“, meldete denn auch gleich einer der Reservisten. Eine der Damen erklärte am Ende das Orgelkonzert zum Höhepunkt der viertägigen Reise.

Die Goldmedaille des „Old Commercial Rooms“ probierte nur einer: Labskaus hatten sich die Hanseaten offenbar nicht getraut, Tischbaas Kurt Büscher und seinen FreundInnen zur Auswahl anzubieten. Helmut Schultze, der heute Rente vom Hamburger Weltlogistiker Kühne & Nagel bezieht, bedauerte am Ende, nicht auch auf Labskaus umgestiegen zu sein. Seit 1648 gibt’s den schon am Captains table im Commercial Room; natürlich jeweils frisch gekocht. 

Am Morgen danach liegt „Naku“ bereit; das Gästeschiff von Kühne & Nagel, für das Schulte & Müller am 13.05.1970 bescheinigt hatten, dass es sich – damals – um einen Neubau handelte. Bei Booten ist es wie bei vielen Jonges und ihren Damen: Man sieht ihnen das Alter nicht an. Sicher vorbeigeschaukelt an den „Riesenpötten“ im Hafen und dann die Elbe runter bis rechts der Ölberg von Blankenese liegen bleibt und links das Alte Land beginnt. Über die öffentliche Hochwasserschutzanlage (gemeinhin Deich genannt) führt der Weg zu „Schollen Finkenwerder Art“ in der „Post“ in Cranz; total idyllisch. Einer nahm sogar die dritte Scholle, andere drei Bier. Eine lustige Runde. Doch ehe die Tide noch weiter sinkt und Naku auf dem Trockenen liegt, müssen wir zurück zur Anlegestelle Neuenfelde. Rechts hinter dem Mühlenberger Loch sorgen Logistiker von Kühne & Nagel in der Fabrik Finkenwerder dafür, dass Airbusse richtig zusammengebaut werden können. Die Kaffee- und Kuchen-Logistik an Bord der Naku stimmt perfekt. 

Die Anlegestelle „Philharmonie“ ist schon lange fertig. Die Reservisten vergleichen den Hamburger Binnenhafen mit ihrem Medienhafen und lassen sich hinauf fahren in die Konferenz-Etage der Kühne & Nagel-Zentrale; phantastischer Blick und souveräne Präsentation durch Deutschland-Chef Hans-Georg Brinkmann: Entwicklungen und Herausforderungen des Hamburger Hafens und der weltweiten Logistik. 64.000 Mitarbeiter bezahlt K&N momentan. Jedes Jahr werden es mehr. Helmut Schultze, früher Kollege von Brinkmann, ist beruhigt – wegen der Rente. Baas Büscher bedankt sich tief-beeindruckt und hoch-herzlich für die Großzügigkeit des Konzerns. Gruppenfoto und Fußmarsch durch die Speicherstadt zurück zum Michel. In der Nacht vollführen Container-Riesen spektakuläre Manöver vor der Oyster-Bar Rive.

Der Samstag ist den Individualisten freigestellt und dem „König der Löwen“ gewidmet. Am Sonntag ruft der Cotton-Club und die Rückfahrt mit dem Intercity; allerdings in einem Waggon, den Bahnchef Grube offenbar dem Weltkulturerbe entnehmen ließ: keine Klima-Kühlung, kein Service, aber 15 Minuten Verspätung! Dank an alle Sponsoren sowie besonders an Baas Büscher und seine HelferInnen, die diese Reise zu einem unvergesslichen Ereignis machten. 

29. April 2012. Martin Beier