Tischgemeinschaft Reserve Tischgemeinschaft Reserve

Tischgemeinschaft Reserve

2011

TG Reserve besucht das Landeskommando NRW

Ein Informationsbesuch

Die Tischgemeinschaft „Reserve“ war am 20. Oktober zu einem längst überfälligen Informationsbesuch im Landeskommando NRW. Dort informierte sich die Tischgemeinschaft über die Aufgaben des Landeskommandos im Rahmen der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit im Bundesland, ließ sich im Lagezentrum in die Ablauforganisation im Falle von Großschadensereignissen, wie Hochwasser, Waldbrände, längerfristigem Stromausfall u.ä. Szenarien  einweisen. 

Anschließend berichtete der Kommandeur des Landeskommandos, unser Tischkamerad, Oberst Ralf Kneflowski, in einem Vortrag über seine Erkenntnisse und Erfahrungen während seines Auslandseinsatzes in Afghanistan 2010. Umfangreich und detailliert schilderte Oberst Kneflowski den Fortgang der seit knapp drei Jahren praktizierten neuen Strategie des „Partnering“ mit den afghanischen Sicherheitskräften und der Aufbauarbeit aller militärischen und zivilen Akteure im deutschen Verantwortungsbereich des Regionalkommandos Nord. Oberst Kneflowski führte dort als deutscher Oberst ein US-amerikanisches Unterstützungskommando (Regional Support Command North). Weil man sonst so etwas nicht nachlesen kann, war es umso bemerkenswerter, aus persönlichem Erleben etwas über die zahlreichen sehr positiv verlaufenden Projekte zu erfahren und zugleich war es beeindruckend, mit welchem Einsatz die sechzehn Truppenstellernationen im Norden Afghanistans auf dem Weg sind, das erforderliche sichere Umfeld für die Bürger in den neun Nordprovinzen zu schaffen, damit sich ein selbsttragendes, allen Bürgern verpflichtetes Staatswesen bilden kann, die Menschen Bildung erwerben können, Arbeit haben und eine friedliche Zukunft in der Region gewinnen und gestalten können. Seine Erfahrungen im Einsatz sammelte Oberst Kneflowski, indem er mit seinem „Team“, wie er es nannte, im ganzen Norden, der etwa so groß ist wie Deutschland, unterwegs war, sich vor Ort im Land umsah, unzählige Gespräche mit Bürgermeistern, Stammesführern und Familienoberhäuptern sowie Kommandeuren der Sicherheitskräfte, nicht zu vergessen die staatlichen Repräsentanten führte, sich austauschte und sich ins Bild setzen ließ, wo Hilfe und Unterstützung nötig und wichtig, aber auch der Kampf gegen die Aufständischen und Taliban besonders vordringlich sei.

Es wäre fatal, so resümierte der Oberst, wenn alle Opfer (mehr als 2.500 Gefallene in AFG), alle Anstrengungen, alle Mühen und Investitionen (mehr als 13,6 Mrd. $) in der Zukunft vergebens gewesen wäre. „Wir können es schaffen und wir sollten wegen der weit überwiegenden Mehrheit der Afghanen willen hier blieben, sie noch eine gute Zeit lang unterstützen. Ohne selbsttragende nachhaltige Abwehrmöglichkeiten gegen die Aufständischen würde sich sonst ein noch grausameres Regime als damals unter den Taliban errichten, weil es aus der vormaligen Niederlage gelernt hat. Die Menschen hier haben es nicht verdient, dass wir sie erneut rückwärtsgewandten, glaubensfanatisierten ethnischen Säuberungswellen aussetzen. Nein, wir dürfen sie nicht allein lassen.“

Zuzuhören war spannend und lehrreich zugleich, ein gelungener Vortragsabend der besonderen Art mit vielen authentischen Fotos, wie wir es eigentlich bei der Bundeswehr nicht anders erwartet hatten. Wir dankten unserem Tischkameraden, Oberst Ralf Kneflowski und wünschten allen Soldatinnen und Soldaten sowie unseren Polizistinnen und Polizisten in allen Einsatzgebieten der Bundeswehr stets eine gesunde, wohlbehaltene Rückkehr zu ihren Familien.

Kurt Büscher